In meinen letzten beiden Blogbeiträgen habe ich darüber geschrieben, wie andere Lebewesen die Welt sehen und hören. Mit diesen Sinnen finden wir Menschen uns in unserer Umgebung zurecht. Allerdings nehmen einige Tiere auch Dinge wahr, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können.

Besonders Tiere, die im Wasser leben, besitzen oftmals die Fähigkeit, elektrische Felder zu detektieren. So kann zum Beispiel der Katzenhai eine im Sand vergrabene Scholle ausfindig machen. Es gibt außerdem Fische, die Stromstöße unterschiedlicher Stärke erzeugen können. Starke Entladungen können als Abwehr gegen Feinde dienen oder auch zum Lähmen der Beute. Schwache elektrische Felder dienen der Kommunikation innerhalb Gattung und der Orientierung. Gegenstände in der näheren Umgebung verändern das elektrische Feld, sodass sich diese Fische auch in trüben, schlammigen Gewässern gut zurechtfinden können. Jedem bekannt ist sicherlich der Zitteraal, der übrigens gar kein Aal ist. Er gehört zu den Neuwelt-Messerfischen und kann bis zu 2,5 Meter lang werden. Sein Kopf stellt den Pluspol, sein Schwanz den Minuspol dar. Umgebildete Muskeln auf dem Körper erzeugen jeweils eine geringe Spannung. Wie Batterien sind diese in Reihe geschaltet, sodass bei gleichzeitiger Entladung eine Spannung von bis zu 500 Volt erzeugt werden kann.

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Der Magnetsinn in der Tierwelt

Übrigens kann auch das Schnabeltier elektrische Felder wahrnehmen. Während die Tiere unter Wasser sind, sind ihre Augen geschlossen und sie verwenden Elektrorezeptoren und Mechanorezeptoren am Schnabel, um Beute zu finden. Schwache elektrische Felder, die auftreten, wenn die Beutetiere ihre Muskeln bewegen, nehmen sie wahr und lassen sie die Beute genau lokalisieren.

Auch der Magnetsinn wird von vielen Tieren genutzt. Die Erde hat ein über längere Zeit konstantes magnetisches Feld, an dem man sich orientieren kann. Dafür müssen die Tiere die Magnetfeldstärke oder die Richtung der Magnetfeldlinien wahrnehmen können. Das kann zum Beispiel durch Magnetit-Kristalle geschehen. Diese haben Vögel im Oberschnabel, Fischen in der Nasengrube und Bienen im Abdomen. Der Magnetsinn von Zugvögeln ist am besten untersucht. Hier forscht man aktuell zum Beispiel am Molekül Cryptochrom, das in der Netzhaut vorkommt. Man vermutet, dass es vom Magnetfeld beeinflusst wird und somit der Orientierung der Vögel hilft.

 

Auch Bakterien haben einen Sinn fürs Magnetische

1963 wurden erstmals Magnetotaktische Bakterien beschrieben. Sie enthalten Magnetosomen im Inneren der Zelle und orientieren sich damit am Erdmagnetfeld. Die Ketten aus winzigen Nanopartikeln des Minerals Magnetit sind von Membranen umschlossen. Die Bakterien leben in Gewässern und die Orientierung am Magnetfeld hilft ihnen, ihren Lebensraum zu finden. In der Grenzschicht zwischen Wasser und Sediment finden sie die perfekten Bedingungen für ihren Stoffwechsel.

Der genaue Mechanismus des magnetischen Sinns ist insgesamt allerdings noch wenig erforscht und hält bestimmt noch einige spannende Entdeckungen bereit. Mit Sicherheit kann man aber sagen, dass wir Menschen mit der Erfindung des Kompasses im 12. Jahrhundert ziemlich spät dran waren 😉

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