Das Auge ermöglicht uns, unsere Umwelt zu sehen und sich in ihr zurechtzufinden. Licht, also elektromagnetische Strahlung in einem bestimmten Wellenlängenbereich, fällt ins Auge und wird dort von bestimmten Zellen wahrgenommen. Sogenannte Photorezeptoren, kleine Stäbchen und Zapfen in der Netzhaut, leiten das Signal über Sehnervenbahnen an das Sehzentrum im hinteren Teil des Gehirns weiter. Im Okzipitallappen wird dann das Bild generiert.
Allerdings sehen nicht alle Lebewesen so wie wir. Was ein Lebewesen sehen kann, hängt oft damit zusammen, was es sehen muss, um überleben zu können oder sich fortzupflanzen. Wasser absorbiert zum Beispiel besonders den roten Anteil des Lichtes, weshalb Tiefsee-Lebewesen oft besonders gut im blauen Bereich sehen können. Das heißt, sie nutzen das vorhandene Licht bestmöglich aus. Das größte Auge besitzt übrigens ein Kalmar. Das Auge hat einen Durchmesser von 27 cm!

 

Für jede Umgebung das richtige Auge

Oft ist das Auge auch an das umgebende Medium angepasst. Im Wasser wird Licht anders gebrochen als in der Luft, sodass Unterwassertiere eine kugelförmigere Linse besitzen. Es gibt sogar Fische, deren Auge in 2 Bereiche unterteilt ist. Die Familie der Anablepidae kann dadurch gleichzeitig unter und über der Wasseroberfläche sehen. Das hilft ihnen, sich vor Feinden zu schützen und Insekten über der Wasseroberfläche zu fangen.
Einige Lebewesen sehen sogar im UV-Bereich, was uns Menschen unmöglich ist. Es gibt zum Beispiel Blumen, die UV-Muster auf der Blüte haben, welche nur von diesen Lebewesen (Insekten z.B.) gesehen werden können. Es zeigt ihnen quasi den Weg zum Nektar.

 

Das Auge isst mit!

Spannend ist auch das Chamäleon, das mit seinen unabhängig voneinander steuerbaren Augen wie durch ein Fernglas sehen kann. Um die Distanz zur potenziellen Beute schnell und genau abschätzen zu können, stellen sie das Objekt zentimetergenau scharf. Mit 5 Metern pro Sekunde schießt die klebrige Zunge dann auf das Insekt zu und fängt es.
Die schärfsten Augen besitzen übrigens Greifvögel. Sie können ihre Beute auch in großer Entfernung noch gut erkennen und scharf stellen. Zusätzlich hilft ihnen, dass sie mit ihrem Auge ähnliche Farben sehr viel besser unterschieden können als wir.

 

Warum Katzenaugen im Dunkeln leuchten

Nachtaktive Tiere wie Eulen oder Katzen besitzen oft sehr große Augen und zusätzlich eine reflektierende Schicht unter der Netzhaut. Dadurch trifft das einfallende Licht ein zweites Mal auf die Netzhaut, sodass die Lichtempfindlichkeit erhöht ist. Diese „reflektierenden Augen“ habt ihr sicher schon mal gesehen, wenn ihr zum Beispiel eine Katze im Dunkeln angeleuchtet habt 😉
Wieso Fliegen der Fliegenklatsche oft entwischen? Weil sie viel schneller sehen können! Während der Mensch zwischen 18 und 25 Bilder pro Sekunde verarbeitet, kann eine Stubenfliege 250 Bilder pro Sekunde aufnehmen und so dem Tod entwischen. Kleiner Trick: wer sich von hinten nähert, kann die Fliege vielleicht noch überraschen 😉
Alle angehende Studierenden, die das interessiert, sollten auf jeden Fall mal einen genaueren Blick auf den Studiengang Biochemie werfen!

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