Das Greifswalder Start-Up COLDPLASMATECH revolutioniert mit einer Star-Trek-Technologie die klassischen Methoden der Wundbehandlung. Wir trafen Dr. Carsten Mahrenholz, einen der vier Gründer, und sprachen mit ihm über die Idee und die Zukunftsaussichten der Entwicklung.


Carsten, wie seid ihr auf die Idee gekommen, den vom Raumschiff Enterprise bekannten Dermal Regenerator – also ein Gerät, das über Wunden gehalten wird und sie sofort heilen lässt – zu entwickeln?

Die Wissenschaftler des Greifswalder Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. forschen bereits seit einigen Jahren an kaltem Plasma, das zur Wundbehandlung eingesetzt werden kann. Unser Ziel ist es, Patienten mit chronisch schlecht heilenden Wunden, wie etwa Verbrennungsopfern oder wundgelegene Menschen schmerzfreie und erfolgsversprechende Behandlungs-möglichkeiten zu bieten.

Was genau ist kaltes Plasma?

Im Prinzip ist Plasma ein alltägliches Naturphänomen. Die Sonne, Blitze und Nordlichter haben beispielsweise die Eigenschaften eines Plasmas. Es bezeichnet einen vierten Aggregatzustand, der die Zustände fest, flüssig und gasförmig ergänzt. Kaltes Plasma entsteht dann, wenn ein Gas durch starke elektrische Felder geschickt wird. Dann lösen sich die Elektronen aus den Molekülen, das Gas wird elektrisch leitfähig und beginnt blau zu leuchten, bleibt aber nach außen hin elektrisch neutral und wird nicht wärmer als 40 Grad.

Wie genau funktioniert das Heilen mit kaltem Plasma?

Menschliche Zellen reagieren auf das das kalte Plasma zum Beispiel mit der Ausschüttung von Botenstoffen, so genannten Cytokinen. Sie kurbeln das Zellwachstum an. Außerdem vernichtet das energiereiche Gas Bakterien und tötet selbst multiresistente Keime ab. Mit der von uns konstruierten Wundauflage – dem Plasma-Patch – lässt sich kaltes Plasma direkt an der Wundoberfläche erzeugen. Dabei gelangt kein Wirkstoff in die Wunde, sondern nur Energie. Die Silikonauflage verklebt nicht mit der Wunde und lässt sich vollkommen schmerzfrei wieder abziehen. Die Therapie dauert wenige Minuten und kann im Rahmen des regelmäßigen Verbandswechsels stattfinden. Und der Patient spürt höchstens ein leichtes Kribbeln.

Abbildung Plasmapatch

Quelle: Wacker Chemie AG

Wie geht es weiter mit dem Plasma-Patch?

Derzeit befindet sich die Wundauflage in der finalen Entwicklungsphase. Wenn alles gut läuft, wollen wir sie noch 2015 zur Zertifizierung einreichen. Und dann hoffen wir, dass Krankenkassen das Plasma-Patch schnell in ihr Leistungs- und Erstattungsspektrum aufnehmen. Diese Technologie muss schnell an den Patienten.

Dann drücken wir die Daumen. Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Carsten Mahrenholz, 35, hat Biologie, Chemie und Wirtschaftswissenschaften studiert.

www.coldplasmatech.com

 

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