Vorab ein kleiner Hinweis – nicht, dass einer noch sagt: Ein Lehramtsstudent schreibt über das Chemie-Fachstudium?! Ich habe mich im Laufe meines Bachelorstudiengangs entschieden, das Chemiestudium gegen das Studium Chemie-Lehramt einzutauschen, weil ich später in die Lehre möchte. Dies ändert nichts an meiner Begeisterung für das Fach und ein paar Semester (3) habe ich auch bei den „richtigen“ Chemikern reingeschnuppert 😛

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Unser Laborraum in der analytischen Chemie.

Chemie? Das ist doch das, was knallt und stinkt!

Geben wir es offen zu: Leute, die eine Naturwissenschaft studieren, werden schon mal mit einer Mischung aus Respekt und einem dicken Fragezeichen angeschaut. Leute, die Chemie studieren, werden noch komischer angeschaut. Ich kann euch aber versprechen: Chemie ist nicht komisch! Sie ist hochinteressant, weil unendlich vielseitig. Sie ist sowohl angewandt als theoretisch, bunt und glänzend – ok und zeitweise trocken und theoretisch. Sie erschreckt euch im wahrsten Sinne des Wortes, wenn es mal wirklich knallt. Und sie stinkt auch manchmal. Aber sie gibt euch vor allem Eines: ein elementares Verständnis der Welt, die euch umgibt und den Status einer von wenigen zu sein, die sich trauen ein Fach zu wählen, von denen die meisten nach der Schule sagten: „Das konnte ich nie!“

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Hörsaalgebäude des Instituts für Chemie in der Albert-Einstein-Straße in Rostock.

Was sollte ich für das Chemiestudium mitbringen?

Bei allem, was ihr lernen könnt, darf man nicht vergessen, dass einiges von euch erwartet wird. Ich könnte hier nun blumig malen, was in der Realität ganz anders aussieht, aber damit helfe ich euch nicht weiter. Im Chemiestudium kommt es vor allem in den ersten Semestern darauf an, dass ihr die Schule hinter euch lasst. Es ist ein sehr umfangreiches Studium mit vielen Aufgaben, die nebenbei anfallen. Ihr müsst also belastbar sein. Ein mathematisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis wird vorausgesetzt. Erweiterte Chemiekenntnisse helfen, sind aber nicht zwingend notwendig – viel wichtiger ist es, dass ihr gelernt habt, strukturiert zu arbeiten. Aber keine Sorge, denn mit Ehrgeiz, Eifer und Fleiß ist das alles machbar! Standhaftigkeit im wahrsten Sinne des Wortes ist vor allem in den Laborpraktika gefragt.

Inhalte und Aufbau des Studiums, oder:
Wie werde ich denn nun Chemiker?

Das Studium der Chemie ist zunächst rein formal ein Bachelor-Studiengang. Im Grundstudium mit der Regelstudienzeit von sechs Semestern werden euch die wesentlichen Grundlagen der Hauptbereiche der Chemie vermittelt. In den ersten Semestern lernt ihr insbesondere die allgemeine und anorganische Chemie kennen, dazu Mathe und Physik. Später kommen analytische, organische, technische und physikalische Chemie dazu.

Das darauf aufbauende Masterstudium umfasst 4 Semester. Hier erfolgt eine Spezialisierung in einem oder mehreren Teilbereichen der Chemie. In der Regel erfolgt dann eine etwa 3-jährige Promotion, die mit einer Doktorarbeit endet.

„Üblicherweise wird der Chemiestudent nach ca. 16 Semestern (8 Jahren) die Universität als promovierter Chemiker (Dr. rer. nat.) verlassen.“ Uni Rostock

Ein Studienablaufplan seht ihr hier: Musterstudienplan der Uni Rostock

Das Labor ist die Heimat des Chemikers

Wer sich für das Studium interessiert, ahnt es schon. Wer sich informiert hat, weiß es. Wer es studiert, liebt es: das Chemie-Studium ist sehr praxisbezogen. Insbesondere die relativ kleine Studierendenschaft der Uni-Rostock ermöglicht eine hervorragende Praktikumsbetreuung in den modern ausgestatteten Laboren. In den ersten Semestern lernt ihr vor allem Grundlagen des Experimentierens. Hier kommen nasschemische Methoden (Kolben, Reagenzglas und eigens hergestellte Lösungen) zum Einsatz. Eine ganze Menge Spaß und fröhliches: „Ey, ich hab hier ‘nen Niederschlag, was könnte das denn sein?!“ ist vorprogrammiert. In den höheren Semestern werden diese mehr und mehr von modernen Apparaturen verdrängt, und sind wir ehrlich: Da wollen wir doch hinkommen! Die Praktika dauern in der Regel mindestens acht Stunden und pro Semester werdet ihr ein oder zwei davon absolvieren.

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Versuchsapparatur zur Untersuchung der Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierung der Reaktion durch Fotoblitz

Studium geschafft, Doktor hab ich auch – und jetzt?

Die Berufsaussichten eines Chemikers sind je nach Spezialisierung äußerst vielseitig bis noch vielseitiger 😛 Forschungs- und Entwicklungsarbeit in der chemischen Industrie, die in Deutschland sehr ausgeprägt vorhanden ist, oder direkt an Forschungsinstituten sind nur Beispiele dafür. Chemiker werden im Umweltschutz, in Ministerien, im Marketing von Firmen mit chemischen Hintergrund und als Leiter von Produktionsbereichen gebraucht. Eine Hochschullaufbahn ist ebenso denkbar wie eine Tätigkeit als Gutachter. Chemiker werden so lange gebraucht, wie es Chemie gibt. Also immer.

Weitere und sehr gute Informationen über das Chemiestudium insbesondere natürlich in Rostock erhaltet ihr auf der Homepage des Instituts für Chemie: Hier geht’s zum Institut