Wie Max Mustermann die Welt verändert

Ein leichtes Ziepen in der Nähe des Handgelenks, dann läuft ein kurzer Text vor eurem Auge vorbei: „21:00 Uhr: Treffen mit Mark, Café Hermann“. Nach etwa einer Sekunde ertönt eine Stimme: „Café Hermann gefunden. Soll die Route angezeigt werden?“ Ihr verlasst das Haus und folgt dem kleinen Pfeil, der in der Mitte eures Sichtfeldes erschienen ist. Obwohl die Nacht bereits hereingebrochen ist und keine Laternen brennen ist der Gehweg in ein grünliches Licht getaucht. „Diese verrückten Bäume…“ denkt ihr und meint damit jene vereinzelt in den Vorgärten stehenden Gewächse, meist viele Jahre alt, die den Bäumen am Gehweg so ähnlich sehen. Nur, dass sie eben merkwürdigerweise nicht leuchten.

Gut, also wir fassen zusammen: Ein Chip an eurem Handgelenk sendet Daten, die ihr sehen und hören könnt und der Gehweg wird von Bäumen beleuchtet. Da drängt sich doch förmlich eine Frage auf: „Häh?“ 😀

Doch was vielleicht abgespacet klingt, ist in Wirklichkeit in den letzten Jahren nicht nur in greifbare Nähe gerückt, sondern (fast) Realität geworden. Dabei  sind es keineswegs irgendwelche großen Firmen in der Schweiz oder geheime Labors des US Militärs, die uns diese Erfindungen bescheren. Nein: Der Nerd, der Hacker, der Geek räumt seinen Computerkram weg und richtet sich ein Labor ein. Biologen und Chemiker kehren ihren Arbeitsstellen den Rücken und verwirklichen sich in ihrer Garage, doch auch Menschen aus allen anderen Berufs- und Bevölkerungsgruppen haben ein neues Hobby für sich entdeckt: Biohacking!

Was ist eigentlich Biohacking?

Die Idee ist denkbar einfach: Hacking. Das bedeutet seit nunmehr über einem halben Jahrhundert freiwillige und selbstgewählte Arbeit zur Verbesserung der Lebensqualität aller zu leisten und Ergebnisse allen zugänglich zu machen. Der klassische Hacker ist nämlich nicht wie im Film ein ungepflegter Einzelgänger, der aus purer Profitgier virtuell in eine Bank nach der anderen einbricht (http://www.ccc.de/de/hackerethik). Informationen sammeln und teilen steht auf der Fahne!

Mit zunehmender Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Chemikalien und Laborgeräten hat sich nun eine analoge Szene in den Biowissenschaften entwickelt, flapsig auch als „Biohacker“ bezeichnet. Generell lassen sie sich in zwei Lager trennen: Die erste Gruppe experimentiert mit dem genetischen Code und versucht zum Beispiel vorteilhafte Eigenschaften eines Organismus in einen anderen zu übertragen. Die andere Gruppe stattet ihren Körper mit zusätzlichen Sensoren oder anderen Hilfsmitteln aus, um so zu zusätzlichen Fähigkeiten zu gelangen. So hat sich beispielsweise Neil Harbisson, der nicht in der Lage ist Farben zu sehen, eine Kamera am Kopf befestigt, die Farbinformationen in Töne umwandelt.

Was macht Biohacking möglich?

Die technischen Hürden sind gefallen. Wer sich ein Gerät nicht leisten kann, improvisiert. Schnellkochtöpfe sterilisieren genauso gut wie ein Autoklav. Es existieren sogar schon entsprechende Bausätze für manche Geräte. Nur weniges ist noch unerreichbar oder schwer zu beschaffen für die Hobbybiologen: Selbstdesignte DNA-Stränge beispielsweise müssen bestellt werden, da noch keine Lösung existiert, die die heimische Synthese ermöglichen würde; Verbrauchsmaterial existiert meist nur in Verpackungsgrößen, mit denen ein normaler Biohacker mehrere Jahre auskommt. Doch auch das sind eher finanzielle Hürden. Ein wirkliches Problem stellt dagegen in Deutschland das Gentechnikgesetz dar. Es verbietet nämlich das Einbringen von DNA in einen Organismus. Das heißt, deutsche Biohacker dürfen zwar Bakterien vermehren, DNA extrahieren, DNA duplizieren und versuchen bestimmte Gene zu isolieren, aber weiter dürfen sie nicht gehen: Sie können die Leuchtfähigkeiten aus Aliivibrio fischeri entnehmen, aber der Versuch, andere Organismen damit zum Leuchten zu bringen, ist nicht legal.

Die technischen Biohacker, die sich selbst mit Erweiterungen ausstatten, stehen dagegen in zweifacher Weise besser dar: Erstens sind die benötigten Geräte vielfach günstiger und zweitens stehen keine Gesetze im Weg. Außerdem ist man vielleicht ein Bisschen umsichtiger, wenn es um den eigenen Körper geht.

Ethische Fragen

Nun kann man sich fragen, warum überhaupt noch Hürden existieren. Zum Schluss möchte ich daher noch zwei Fragen in den Raum stellen:

Entstehen durch die leichte Zugänglichkeit für Amateurbiologen nicht abzusehende Sicherheitsrisiken?

Ist diese leichtfüßige Genforschung nicht vielleicht ein zu krasser Eingriff in die Natur? Schließlich wird sogar Leben neu geschaffen.

Was meint ihr? 😉