Noch vor wenigen Jahren war es gang und gäbe, dass Studiengänge mit dem Diplom abschließen. Doch um die Studiengänge und -abschlüsse international einheitlich zu gestalten, kam es zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums. Dieser sogenannte Bologna-Prozess führte zur Einführung eines zweistufigen Systems, welches üblicher Weise aus dem Bachelor und den darauf aufbauenden Master besteht. Nach und nach wurde das Diplom aus den deutschen Unis und Hochschulen verabschiedet. Dennoch kann man sich in vereinzelnden Studiengängen noch zwischen Bachelor und Diplom entscheiden, da der Bologna-Prozess noch nicht abgeschlossen ist und sich womöglich noch bis 2020 hinziehen wird. Auch an der HS Neubrandenburg fand diese Umstrukturierung statt, so dass im Jahre 2005 das zweistufige System in meinem Studiengang Geoinformatik eingeführt wurde. Man kann also dort den Bachelor of Engineering Geoinformatik und anschließend den Master of Engineering Geoinformatik und Geodäsie absolvieren. Alle Einzelheiten zum Geoinformatik-Studium erfahrt ihr in meinem nächsten Artikel: „Das Geoinformatik-Studium: Was ein Geoinformatiker eigentlich so macht“.

Was verbirgt sich eigentlich hinter Bachelor und Master?

Mit einem Bachelor erreichen Studierende nach sechs bis acht Semestern einen Abschluss, der  einen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht. Bei meinem Studiengang beläuft sich der Bachelor auf insgesamt sieben Semester. Dabei werden in den Semestern alle nötigen Grundlagen vermittelt. Diese bestehen zum größten Teil aus Pflichtmodulen und werden durch einige wenige Wahlmodule ergänzt. Abschließend verbringt man seine Zeit im Praktikum bei einem Unternehmen und schreibt seine Bachelorarbeit. Nur wer sein Fachwissen noch zusätzlich vertiefen, weitere Qualifikationen sammeln möchte um gegebenenfalls zu promovieren oder sich auf einzelne Fachgebiete spezialisieren möchte, hängt im Anschluss das Masterstudium an, dieses dauert im Normalfall vier Semester. Jedoch können dafür verschiedene Studienvoraussetzungen existieren, die von Uni zu Uni bzw. HS zu HS unterschiedlich sind. Bei allen ist der Bachelorabschluss Grundvoraussetzung, so auch an der HS Neubrandenburg (für den Master of Engineering Geoinformatik und Geodäsie), welcher allerdings aus drei Semestern besteht und mehr Wahlmöglichkeiten als Pflichtmodule bietet. Dadurch hat man einen größeren Einfluss, um somit seine eigenen Interessen und Steckenpferde noch näher kennenzulernen, bzw. auszubauen.

Die Neustrukturierung des Bachelor-Master-Systems soll u.a. dazu beitragen, die Studienzeiten zu verkürzen, die Berufsqualifizierung zu verbessern und die Mobilität der Studierenden zu fördern. Außerdem hat man mit der Vergabe von sogenannten Credit-Points für erbrachte Studienleistungen die Möglichkeit, Module, die man an einer anderen Uni bzw. Hochschule belegt hat, anerkennen zu lassen. Somit können Leistungen aus einem vorherigen Studium auch manchmal nützlich sein und das Wechseln zu einem Studiengang im nationalen oder internationalen Umfeld erleichtern.

Was genau bringt mir ein Masterstudium eigentlich?

Im Folgenden habe ich mal einige Vor- und Nachteile die für bzw. gegen den Master sprechen zusammengetragen. Denn auch ich habe mich lange mit dieser Frage auseinandergesetzt. Durch das Masterstudium erhält man zusätzlich weitere Qualifikationen und Voraussetzungen, um in Führungspositionen arbeiten zu können. Außerdem sind Master-Studiengänge in der Regel sehr spezifisch konzipiert, das macht euch zu Experten in einem bestimmten Fachbereich oder in einer bestimmten fachübergreifenden Tätigkeit. Andererseits sind es aber wieder zwei Jahre zusätzlich, in denen es heißt wieder fleißig zu lernen, Prüfungen zu schreiben und  in denen man kein geregeltes Einkommen hat.

Diese Aspekte sollte am bester jeder vorher für sich selbst abwägen. Fakt ist jedenfalls, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied ist und die Entscheidung, die für einen persönlich die beste ist, selbst treffen muss. Denn eins ist klar: Nach dem Bachelor ist vor dem Master und das sollte man nicht unterschätzen. Aber auch die Freizeit, die man während des Studiums hat, wird man so schnell nicht wieder haben. Also genießt zwischen dem ganzen Stress und den Prüfungen natürlich Eure Studienzeit, mit all ihren Vorzügen 😉

Ich persönlich kann nach dem dritten Semester Bachelor sagen: wenn nicht der Traumjob auf mich wartet, heißt es für mich: „Nach dem Studium ist vor dem Studium!“